Zinsmodelle
Fraunhofer ITWM
Zinsen sind im Zeitverlauf nicht konstant. Diese Erfahrung macht jeder Verbraucher, sowohl auf der Haben- wie auch auf der Soll-Seite.
Zwar schwanken Zinsraten in der Regel nicht so stark wie Aktienkurse, dennoch lässt sich die zukünftige Zinsentwicklung nur schwer vorhersagen, unterliegt sie doch unterschiedlichen volkswirtschaftlichen und ökonomischen Einflüssen.
Insbesondere Marktzinsen wie etwa die EURIBOR-Zinssätze (jene Zinssätze, zu denen sich die Banken auf dem Euro-Markt untereinander Geld leihen) mit ihren verschiedenen Laufzeiten reagieren auf sich verändernde Marktgegebenheiten und legen eine stochastische Modellierung nahe. Aufgrund hoher Volumina der am Zinsmarkt getätigten Geschäfte ist eine möglichst realistische Modellierung der Entwicklung der Zinsraten von großer Bedeutung.
Im Vergleich zur Modellierung von Aktienkursen hat sich allerdings auf der Zinsseite der Finanzmärkte bislang kein Benchmark-Modell wie das Black-Scholes-Modell für Aktienkurse herausgebildet. So existiert eine Vielfalt von Zinsmodellen, die je nach Produkt und zugrunde liegender Zinsrate auf ihre mögliche Anwendung überprüft und ausgewählt werden müssen.
Eine weitere Besonderheit des Zinsmarktbereichs besteht in der Existenz einer sehr großen Vielfalt komplexer Zinsderivate, die meist hinsichtlich ihrer vertraglichen Gestaltung schwer zu durchschauen sind und bezüglich ihrer Bewertung eine große Herausforderung an die Finanzmathematik darstellen.
So befinden sich im aktuellen Fokus der Märkte etwa inflationsgebundene Bonds und Derivate, deren Zahlungsströme durch Koppelung an die Inflationsentwicklung den Investor gegen eine Veränderung der Kaufkraft absichern. Die Modellierung von Inflation und anderer makroökonomischer Faktoren und die Bewertung makro-indexierter Produkte stellen aktuelle Forschungs- und Projektgebiete des Fraunhofer ITWM dar, denen wir Entwicklungspotenzial bescheinigen.