Optimale Dienstpläne fürs Pflegepersonal

Im 2017 gestarteten Forschungsprojekt entwickeln wir Modelle und Algorithmen, die Pflegekräfte u. a. bei der Planung ihrer Dienstpläne unterstützen. Insbesondere liegt der Fokus dabei auf der Identifikation von inkompatiblen Planungswünschen sowie deren Auflösung mithilfe spieltheoretischer Ansätze.

Softwareplattform gestaltet spielerisch Dienstpläne für Pflegeberufe

Projekt GameOfRoster

2,9 Millionen Menschen waren 2015 pflegebedürftig, 2050 werden es vermutlich mehr als 4 Millionen Menschen sein (Quelle: Statistisches Bundesamt). Der steigende Bedarf an Pflegekräften trifft jedoch auf schwierige Arbeitsbedingungen. Hohe physische und psychische Belastungen sowie Beeinträchtigungen des sozialen Lebens durch Schichtarbeit prägen den Berufsalltag.

Gleichzeitig haben Studien gezeigt, dass eine Beteiligung der Mitarbeiter an der Gestaltung ihres Dienstplans und eine höhere Planungssicherheit bezüglich ihrer Freizeitgestaltung in einer signifikant besseren Bewertung der Arbeitssituation resultieren.

Verbesserung der Arbeitssituation durch teamorientierte Selbstorganisation

Das zentrale Ziel im Projekt GamOR (GameOfRoster) ist die nachteiligen Bedingungen der Schichtarbeit zu verbessern. In Pflegeberufen leiden die Beschäftigten häufig unter Einschränkungen ihres sozialen Lebens. Der Dienstplanungsprozess wird daher durch die digitale Beteiligung kollaborativ gestaltetet und ermöglicht eine teamorientierte Selbstorganisation.

Zur Umsetzung dieses Ziels verfolgen wir diese fachlichen Ziele:

  • die Erarbeitung des kollaborativen Dienstplanungsprozesses
  • die Integration in den beruflichen Alltag
  • die Entwicklung und Erprobung einer digitalen Assistenz-Plattform
  • die Sicherstellung einer nachhaltigen Motivation durch erlebnisorientierte Gestaltung
Software gestaltet spielerisch Dienstpläne für Pflegeberufe
© Fraunhofer ITWM

Dr. Sebastian Velten und Rasmus Schroeder gehören im Fraunhofer ITWM zum Projektteam.

GamOR-Konsortialtreffen März 2018
© Fraunhofer ITWM

GamOR-Konsortialtreffen März 2018

Digitalisierung der Planungsassistenz

Die digitalen Assistenten der Softwareplattform nutzen die vorgegebenen Eckdaten wie Besetzungsvorgaben und Qualifikationen, gesetzliche Bestimmungen sowie ergonomische und tarifliche Regelungen und übernehmen dann folgende Aufgaben:

  • die Erfassung, Planung und Verfolgung von Terminwünschen
  • die Abstimmung von Einsatzzeiten mit Kollegen und Vorgesetzen
  • die Zusammenführung von Teilplänen und die Kontrolle von Gesamtplänen

Die mathematischen Grundlagen dafür bilden kombinatorische Modelle und Algorithmen zur Generierung und Zusammenführung von Planalternativen. Zudem setzen wir spieltheoretische Ansätze zur Unterstützung und Organisation von Abstimmungsvorgängen um. Außerdem werden Informationen wie Besetzungsvorgaben, Qualifikationen, die gesetzlichen Bestimmungen, ergonomische oder tarifliche Regelungen automatisch berücksichtigt.

Arbeitswissenschaftliche Begleitung und Evaluation der Ergebnisse

Wir wollen die ganzheitliche Betrachtung von Mensch, Technik und Organisation sicherstellen und eine partizipative Prozessgestaltung bei der Entwicklung und modellhaften Einführung der Dienste-Plattform gewährleisten. Der Transfer der Projektergebnisse in die Praxis wird sowohl durch die Protestantische Altenhilfe Westpfalz als zentralem Anwendungspartner als auch durch die Integration mehrerer Unternehmen aus der Sozialwirtschaft erreicht. Zur Evaluation unserer Ergebnisse messen wir zu Projektbeginn sowie während und nach der Einführung der kollaborativen Dienste-Plattform die Zufriedenheit der Mitarbeiter im Pflegebereich. Mit unseren Ergebnissen und Erfahrungen prüfen wir weiterhin die Transfermöglichkeiten der kollaborativen Dienstplanung auf weitere Unternehmen der Sozialwirtschaft.

Pflegeberufe
© PAW/Dmitriy Shironosov

Hohe körperliche und psychische Belastungen sowie Beeinträchtigungen des sozialen Lebens durch Schichtarbeit prägen den Berufsalltag der Pflegeberufe.

GameOfRoster - GamOR
© GamOR

GamOR - Spielifizierte kollaborative Dienste-Plattform für Pflegeberufe

Die zentralen Ziele kollaborativer Dienstplanung, Motivation und Kontextsensitivität werden durch einen wohlbefindensorienterten Designprozess gewährleistet. Dieser umfasst:

  • die Erarbeitung positiver und bedeutungsvoller Dienstplanungspraktiken
  • die Entwicklung eines Designkonzeptes, dessen Kern diese Praktiken bilden und in welchem das subjektive Erleben der Mitarbeiter eine zentrale Rolle spielt
  • eine iterative Produktentwicklung in mehreren Zyklen der Evaluation und Konzeptanpassung

Im Spannungsfeld zwischen hoher geforderter zeitlicher Flexibiliät auf der einen Seite und dem Bedürfnis nach planbarem Privatleben auf der anderen, entwickeln wir auf Basis konkreter Praktiken eine Lösung, die beide Anforderungen vereint.

Im Video erklären wir beispielhaft die Ausgangssituation, Idee und Umsetzung des Projektes GamOR.

Projektpartner

Im Projekt GamOR arbeiten sechs Partner aus dem Bereich Forschung und Industrie eng zusammen. Dabei sind die Arbeitsschwerpunkte in die Bereiche Organisation, Technik und Mensch unterteilt.

  • Institut für Technologie und Arbeit
  • Universität Siegen
  • SIEDA GmbH
  • Protestantische Altenhilfe Westpfalz
  • ergosign Ergonomie und Design GmbH

Dieses Forschungs- und Entwicklungsprojekt wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und den Europäische Sozialfonds (ESF) im Programm »Innovationen für die Produktion, Dienstleistung und Arbeit von morgen« (Förderkennzeichen: 02L15A213) gefördert und vom Projektträger Karlsruhe (PTKA) betreut. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt beim Autor.  

Im Projekt GamOR arbeiten sechs Partner aus Forschung und Industrie eng zusammen.
© GamOR

Beteiligte Partner im Projekt GamOR und ihre Arbeitsschwerpunkte.