Arbeiten mit Behinderung am ITWM

Vielfalt und Inklusion gehören für unser Institut zur Unternehmensphilosophie. Menschen mit Behinderungen sollen ihre Talente und Qualifikationen uneingeschränkt bei uns einbringen können. Das Umfeld soll ihre Stärken unterstützen. Menschen mit und ohne Behinderungen ganz selbstverständlich zusammenarbeiten.

Für die Interessen von Mitarbeitenden mit Behinderungen setzt sich bei uns am Institut deshalb besonders auch die Schwerbehindertenvertretung ein. Ria Grindel ist Doktorandin in der Abteilung Finanzmathematik und vertritt ihre Kolleginnen und Kollegen in dieser Position seit 2018. In einem kurzen Interview erklärt sie u. a., was da alles dazu gehört.

 

Was sind Aufgaben der Schwerbehinderten-Vertretung (SBV)? Was heißt das konkret in der Praxis? Kannst Du uns da Beispiele nennen?

Die Aufgabe der Schwerbehindertenvertretung ist einerseits natürlich, ein Auge auf die Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben nach SGB IX zu haben. Darüber hinaus bin ich aber auch Ansprechpartnerin für die Belange unserer schwerbehinderten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und unserer schwerbehinderten Bewerber/innen. Das kann von Informationsweitergabe über Hilfestellung in diversen Themen zu Bedarfsermittlung reichen. Letztere gebe ich an die Institutsleitung weiter, und wir bemühen uns, eine für alle passende Lösung zu finden.
 

Was sind die Besonderheiten bei der Beschäftigung von Menschen mit Beeinträchtigung?

Die Frage lässt sich nicht in einem Satz beantworten, da je nach Schwerbehinderung unterschiedliche Themen relevant werden. Konkret gibt es aber Schwerbehinderungen, die eine Vollzeitstelle aufgrund zu hoher Belastung unmöglich machen. Hier wirkt unser Institut mit seinen Teilzeitmöglichkeiten gut entgegen. Außerdem gibt es Behinderungen, die eine Anpassung des Arbeitsplatzes an die Behinderung notwendig machen. Auch hier tun wir unser mögliches, um den Mitarbeitenden ihren Arbeitsalltag so angenehm wie möglich zu gestalten.

Was heißt das für Personen mit Behinderung, die sich beim Fraunhofer ITWM bewerben?

In der Bewerbungsphase gilt, dass Bewerber/innen mit einer Schwerbehinderung bei gleicher Eignung bevorzugt eingestellt werden. Im Bewerbungsgespräch selbst komme ich hinzu und stelle sicher, dass keine Diskriminierung aufgrund der Schwerbehinderung im Auswahlprozess auftritt. Wenn die schwerbehinderten Bewerber/innen das nicht möchten, dann bleibe ich den Gesprächen aber natürlich fern.

Welche baulichen Maßnahmen wurden ergriffen, um das Arbeiten zu erleichtern?

Auf dem Gebiet der barrierefreien Mobilität hat sich an unserem Institut in den vergangenen Jahren einiges getan. Es gibt im Erdgeschoss und im dritten Stock eine behindertengerechte Toilette. Inzwischen sind alle Zugänge ohne Bodenschwellen erreichbar und die ersten automatischen Türen sind eingebaut. Für die Zukunft haben wir uns vorgenommen, dass auch bei Neubauten und beim Umbau bestehender Gebäude Barrierefreiheit mehr berücksichtig wird. Außerdem setze ich mich dafür ein, dass wir bei der Gestaltung moderner Büros die Sichtweisen und Anforderungen von Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen und Bedürfnissen mehr mit einbringen.

Arbeiten mit Behinderung am ITWM
© Andi Weiland | Boehringer Ingelheim, Gesellschaftsbilder.de
Auch das gehört zum Gebiet der barrierefreien Mobilität: Aufzüge verbinden alle Stockwerke des Instituts.

Fallen Dir im Alltag Punkte auf, die in Zukunft noch mehr in den Fokus rücken sollen oder an welchen Verbesserungen wir noch arbeiten müssen?

Wir haben an den baulichen Änderungen bereits angesetzt und werden das auch weiterverfolgen. Das sehe ich aktuell als den wichtigsten Punkt an. Falls die schwerbehinderten Mitarbeitenden sich in ihrem Arbeitsalltag aus irgendwelchen Gründen unwohl fühlen würden, rückt das natürlich an erste Stelle. Allerdings habe weder ich selbst diese Erfahrungen gemacht noch die anderen schwerbehinderten Kolleginnen und Kollegen.

Drei Fragen an…Ina Bertz

Als Rollstuhlfahrerin am ITWM

»Ich freue mich sehr, dass das ITWM mit gutem Beispiel vorangeht.« so Ina Bertz im Interview.

Ina Bertz ist seit November 2019 als Doktorandin beim Fraunhofer ITWM und arbeitet in der Abteilung Optimierung. Sie hat bereits 2018 als Studentin bei uns am Institut angefangen.
 

Wie erlebst Du als Rollstuhlfahrerin das Arbeiten beim ITWM?

Ich habe hier die Möglichkeit, in einem tollen Team an spannenden Fragestellungen zu arbeiten – im Grunde genommen unterscheidet sich mein Arbeiten nicht von dem meiner Kollegen.

Am ITWM wurde meine Behinderung nie zu etwas Besonderem gemacht, während ich gleichzeitig viel Hilfsbereitschaft und Unterstützung beim Abbau von Barrieren erhalten habe.

Beispielsweise habe ich Schwierigkeiten damit, schwere Brandschutztüren zu bedienen. Während mir zu Anfang meiner Zeit am ITWM Kollegen und Kolleginnen dabei geholfen haben, ins Gebäude zu kommen, wurde gleichzeitig mit Hochdruck daran gearbeitet, eine Umrüstung der für mich wichtigsten Türen auf eine elektrische Türöffnungsanlage umzusetzen. Dieses Engagement ist keine Selbstverständlichkeit, dafür bin ich sehr dankbar.

Wenn Du Hilfe brauchst, wie ist das, Kolleginnen und Kollegen anzusprechen?

Die Kolleginnen und Kollegen sind alle sehr hilfsbereit. Mein Ziel ist aber natürlich, zu erreichen, dass ich nicht auf fremde Hilfe angewiesen bin.
 

Was wünschst Du Dir für die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass es alltäglicher wird, Menschen mit einer Behinderung einzustellen. Je mehr Gebäude barrierefrei ausgestattet sind und je mehr Hilfsmittel es zur Kompensation verschiedener Einschränkungen gibt, desto mehr können die Fähigkeiten des Bewerbers, unabhängig von einer Behinderung, in den Fokus rücken. Ich freue mich sehr, dass das ITWM mit gutem Beispiel vorangeht.