»Lasst Euch nicht von der Mathematik abschrecken!«

Interview mit Max Burr zum Praktikum am Fraunhofer ITWM

Max Burr ist seit dem 01. Januar 2024 Praktikant in der Abteilung »Systemanalyse, Prognose und Regelung«. Der 24-jährige Elektrotechnik-Student ist noch bis Ende März 2024 bei uns am Institut und berichtet im Interview über seine bisherige Zeit und Erfahrungen. 

Wie bist Du darauf gekommen, bei uns am Fraunhofer ITWM Dein Pflichtpraktikum zu absolvieren?

Ich studiere hier in Kaiserslautern an der Hochschule und wohne im Uniwohngebiet. Da laufe ich häufig an den imposanten Gebäuden des Fraunhofer-Zentrums vorbei und dachte oft, wie beeindruckend alleine die Räumlichkeiten sind. Außerdem kenne ich ein paar Menschen am Institut. Zudem sagt einem natürlich »Fraunhofer« als Unternehmen etwas. Man verbindet es direkt mit angewandter Forschung. Es war schon ein Ziel von mir, hier das Praktikum zu machen.

Du bist jetzt schon fast zwei Monate hier. Erzähl uns doch bitte etwas über den typischen Arbeitsalltag, den Du als Praktikant hast? Mit welchen Aufgaben durftest Du Dich bisher beschäftigen?

Mein Tag beginnt meistens zwischen 8 und 9 Uhr. Wir sind da flexibel, weil wir Gleitzeit haben. Mit dem ersten Kaffee in der Hand gehe ich dann zu meinen Kollegen und Kolleginnen im Team und frage, welche Aufgaben am Tag zu erledigen sind, wenn ich nicht welche vom Vortag beenden muss. Von den Tätigkeiten her war das bisher sehr vielseitig – Sensoren anbringen, Schaltkasten anschließen, aber auch ein bisschen komplexeres Programmieren. Ich war außerdem schon in der Metallwerkstatt der Abteilung »Bildverarbeitung«. Bisher gab es keine trockene Mathematik oder Physik, sondern sehr praktische Aufgaben. Mein Studiengang »Elektrotechnik« passt da super. Ich bin zu einem günstigen Zeitpunkt hier gelandet, denn die Abteilung brauchte gerade im Moment jemanden, der in dem Schwerpunkt unterstützen kann. Als Praktikant hat man da natürlich nicht wie die wissenschaftlichen Mitarbeiter:innen den Projektdruck im Hintergrund. Man kann sich die Zeit dafür nehmen. Aktuell unterstütze ich zum Beispiel beim Vorbereiten der nächsten Messeveranstaltungen. 

Messestand E-World 2023
© Fraunhofer ITWM
So sah der Messestand bei der E-World 2023 aus. Auch hier war ein Demonstrator mit den Kollegen in Essen.
Max Burr beim Vorbereiten des Demonstrators.
© Fraunhofer ITWM
Max Burr beim Vorbereiten des Demonstrators.

Gutes Stichwort, Deine Kollegen gehen in den nächsten Tagen auf gleich zwei Veranstaltungen, um ihre Forschung zu präsentieren: die Messe E-world in Essen, ein Branchentreffpunkt der europäischen Energiewirtschaft und auf die »Maintenance « in Dortmund, eine Messe für industrielle Instandhaltung. Wie konntest Du konkret bei den Vorbereitungen unterstützen?

Auf den beiden Veranstaltungen werden besonders zwei große Themen präsentiert und da dürfen Demonstratoren nicht fehlen, um die darf ich mich gerade verstärkt kümmern. Auf der E-world liegt der Schwerpunkt darauf, wie wir Anlagen regeln können, so dass sie möglichst energiegünstig fahren. Auf der »Maintenance« ist die Fragestellung eher: Wie können wir Anlagen überwachen und feststellen, ob irgendwo ein Defekt ist. Also, Instandhaltung Überwachung, Abnutzung automatisiert entdecken und daraufhin rechtzeitig warten. Der Demonstrator für die Messe zeigt dann zum Beispiel wie Sensoren eine Vibration einer Anlange überwachen und man dann entsprechend reagieren kann, wenn die Software oder der Ausschlag zeigt, dass etwas kaputt ist. 

Ich habe die letzten Tage und Wochen bei den beiden Geräte geschaut, dass sie richtig laufen, gut eingestellt sind und die Software angebunden ist. Es ist wichtig, dass man am Stand der Veranstaltungen etwas hat, das die Aufmerksamkeit auf sich zieht und nicht nur schön aussieht, sondern sorgfältig aufbereitet für die Arbeit steht. Wenn es dann noch leuchtet und sich bewegt, dann ist das optimal, um Leute an unseren Stand zu bringen und dann ins Gespräch zu kommen. 

Das hört sich spannend an. Wusstest Du denn vorher schon etwas über diese Themen?

Eigentlich nicht viel. Die Themen »Instandhaltung und Überwachung von Maschinen« oder »Anlagenregelung« waren schon sehr neu für mich, damit hatte ich mich noch nicht beschäftigt. Auch solche Dinge wie das Anschließen von Schaltkästen oder Metallverarbeitung hatte ich vorher noch nicht gemacht. Ich bin aber schnell reingekommen und hatte gute Anleitung im Team.

Es ist motivierend, dass man sieht, wofür man das alles macht, wofür Theorie nötig ist. Da ist es super, wenn zum Beispiel ein Skript, das ich geschrieben habe, in Realität umgesetzt werden kann und auch funktioniert. Da hat man direkt Erfolgserlebnisse.

Hast Du Dir die Arbeit vorher so vorgestellt? Hattest Du überhaupt Vorstellungen?

Ich wusste von einer Bekannten, dass in der Abteilung ein Studi gebraucht wird, der Elektrotechnik als Hintergrund vorweisen kann. Aber ich hatte keine konkrete Idee, was das im Arbeitsalltag heißt. Ich wusste auch ungefähr, was die Abteilung macht, aber keine Details. Ich war deshalb sehr positiv überrascht, was ich alles machen darf. Ich war auch schon länger auf Praktikumssuche und da war es umso schöner, dass es so gut passt. 
 

Was hat Dir bisher besonders gut gefallen?

Da gibt es einiges, das ich aufzählen kann: die Arbeitsatmosphäre, das beeindruckende Gebäude und der Arbeitsplatz, das lockere Team und Miteinander. Die vielen spannenden Projekte am Institut. Es ist das Gegenteil von dunklen Industriehallen, was man so als Bild von einer Elektrotechnik-Stelle hat. Es ist entspanntes Arbeiten, aber ich bin trotzdem sehr selbstständig und kann mir Aufgaben erarbeiten. Es ist kein Praktikum, bei dem ich die ganze Zeit nur jemandem hinterlaufe. Es wird viel Vertrauen in mich gesetzt, dass ich auch selbstständig ToDos bearbeite, in meinem eigenen Tempo. Die Arbeit ist nicht eintönig.

Was hat Dir vielleicht weniger gefallen?

Eigentlich fällt mir dazu nicht wirklich etwas ein. Die letzten Tage waren etwas stressiger in der Abteilung, auch wegen der Veranstaltungsvorbereitungen, gleichzeitig müssen viele Projekte im Team bearbeitet werden. Da traut man sich als Praktikant nicht immer auch noch zwischendurch viele Fragen zu stellen, aber das kann man natürlich trotzdem. Man darf sich da nicht einschüchtern lassen. Bisher wurden alle Erwartungen erfüllt oder sogar übertroffen. Ich bin super erleichtert und überrascht, dass mir so viel an dem Praktikum gefällt. 

Wie geht es nach dem Praktikum bei Dir weiter?

Ich bin jetzt im fünften Semester und wenn ich in der Regelstudienzeit bleibe, dann schreibe ich in zwei Semestern meine Bachelorarbeit. Im Idealfall vielleicht sogar in einem Unternehmen wie dem Fraunhofer ITWM. Das wäre optimal, wenn die Arbeit auch noch etwas mit der angewandten Forschungsrealität zu tun hätte – gerne sogar thematisch in dieser Richtung, in der ich jetzt arbeite. Im Moment plane ich anschließend den Master in Elektrotechnik dranzuhängen, aber erstmal konzentriere ich mich natürlich darauf, den Bachelor abschließen. 

Was wäre Dein Traumjob nach dem Studium? Kannst Du Dir vorstellen später auch an einem Forschungsinstitut zu arbeiten?

Das kann ich mir sehr gut vorstellen. Einen konkreten Traumjob oder -wunsch habe ich nicht, aber wenn ich es mir aussuchen könnte, wäre ich lieber in der angewandten Forschung statt direkt in der Industrie. Das was ich bisher hier so erlebt habe, gefällt mir wirklich sehr.

Was würdest Du zukünftigen Praktikant:innen raten?

Habt keine Angst vor der Mathematik. Klar, das Fraunhofer ITWM ist ein mathematisches Institut, aber es gibt auch viele Tätigkeiten, bei denen es wichtiger ist, dass man selbstständig an Aufgaben rangehen kann und sich das Knowhow erst aneignet. Man muss nicht direkt mit krassen Mathe-Skills hier anfangen oder genau wissen, wie die Mathematik umzusetzen ist. Lasst Euch nicht abschrecken von dem Namen Fraunhofer und der Mathematik!