Rentenphase: Ausgestaltungsmöglichkeiten für eine individuelle Altersvorsorge und mehr Flexibilität

Private Altersvorsorge: Welche Auszahlungsoptionen in der Rentenphase passen

Einmal auszahlen lassen, konstant beziehen oder dynamisch anpassen – die Möglichkeiten in der Rentenphase sind vielfältig, aber oft schwer zu bewerten. Wir zeigen, wie sich unterschiedliche Modelle konkret auswirken, und machen ihre Vor- und Nachteile greifbar. Daraus entwickeln wir Ansätze für bessere Beratung und mehr Orientierung bei der Altersvorsorge.

Im Ruhestand ist finanzielle Sicherheit entscheidend. Neben der gesetzlichen Rentenversicherung können Versicherte ihre Rentenlücke durch private Rentenversicherungen gezielt schließen. Kapitalgedeckte Rentenversicherungen unterscheiden sich dabei deutlich hinsichtlich Garantien und Anlagestrategien in der Ansparphase – also dem Zeitraum, in dem Beiträge eingezahlt werden. Diese Phase beginnt in der Regel mit Vertragsabschluss und endet mit dem Start der Rentenzahlung.

Während die Auswahlmöglichkeiten in der Ansparphase vielfältig sind, bleibt die Ausgestaltung der Rentenphase oft stark eingeschränkt. Individuelle Auszahlungsoptionen sind bislang kaum vorgesehen. In der Praxis können Versicherte meist nur zwischen einer konstanten (klassischen) und einer dynamischen Rentenhöhe wählen.

Gleichzeitig gewinnen flexiblere und potenziell ertragsreichere Modelle zunehmend an Bedeutung – nicht zuletzt aufgrund der steigenden Lebenserwartung und der höheren Aktivität im Ruhestand. Im Folgenden stellen wir neben der klassischen und dynamischen Rente auch alternative Ansätze vor, etwa inflationsgebundene oder zweiphasige Modelle.

Beispielszenario: Auszahlungsoptionen in der Rentenphase

Die verschiedenen Varianten und ihre Bedeutung für Versicherte veranschaulichen wir anhand eines Beispiels: Marie, 65 Jahre alt (geboren 1961), hat bei der Wünschdirwas Lebensversicherung AG eine Rentenversicherung abgeschlossen. Nun steht sie vor der Entscheidung, wie ihr angespartes Kapital von 10.000 Euro ausgezahlt werden soll.

Der Berechnung liegt ein Garantiezins von 1 Prozent zugrunde. Für die lebenslange Rentenzahlung verwenden wir die Aggregatsterbetafel 1. Ordnung DAV 2004 R, Kosten bleiben unberücksichtigt. Die möglichen Auszahlungsvarianten sind in der Abbildung dargestellt.

Einmalauszahlung und zeitlich begrenzte Rente

Bei kapitalbildenden Rentenversicherungen kann das angesparte Kapital zu Beginn der Rentenphase vollständig als Einmalbetrag ausgezahlt werden. . Mit dieser Entscheidung verzichten Versicherte auf die Sicherheit einer lebenslangen, planbaren Rente und übernehmen sämtliche damit verbundenen finanziellen Risiken selbst.

Beispielszenario: Kapitalverzehr bei eigener Anlageentscheidung

Marie entscheidet sich für die Einmalauszahlung ihres Kapitals in Höhe von 10.000 Euro. Sie geht davon aus, mit einer Anlage jährlich 1 Prozent Rendite zu erzielen. Jährlich entnimmt sie 761,40 Euro. Nach 14 Jahren – im Alter von 79 Jahren – ist ihr Kapital vollständig aufgebraucht. In der folgenden Abbildung ist diese Variante durch die blaue Linie dargestellt.

Klassische Rentenauszahlung

Die klassische Rentenauszahlung basiert auf einem festen Betrag, der während der gesamten Rentenphase konstant bleibt. Sie bietet verlässliche und gut planbare Einnahmen und eignet sich besonders für Versicherte, die Wert auf Stabilität legen. Allerdings berücksichtigt dieses Modell weder Inflation noch steigende Lebenshaltungskosten und bietet somit keinen Schutz vor Kaufkraftverlust.

Beispielszenario: Konstante Rente mit begrenzter Kaufkraft

Die Wünschdirwas Lebensversicherung AG bietet Marie eine klassische Rentenzahlung in Höhe von 648,14 Euro jährlich beziehungsweise 54 Euro monatlich an. Dieser Betrag ist lebenslang garantiert. In der Abbildung entspricht diese Variante der konstanten lilafarbenen Linie.

Zum Vergleich: Würde Marie ihr Kapital ohne Verzinsung selbst verwalten und jährlich denselben Betrag von 648,14 Euro entnehmen, wäre es nach etwa 15 Jahren – also im Alter von 80 Jahren – vollständig aufgebraucht.

Dynamische Rentenauszahlung

Bei der dynamischen Rentenauszahlung steigt die Rente jährlich um einen zuvor festgelegten Prozentsatz. Dadurch lässt sich der Lebensstandard über die Zeit zumindest teilweise an steigende Kosten anpassen.

Beispielszenario: Steigende Rentenzahlungen im Zeitverlauf

Marie entscheidet sich für eine dynamische Rente mit einer jährlichen Steigerung von 1 Prozent. Im Vergleich zur klassischen Variante fällt die anfängliche Auszahlung zunächst geringer aus, steigt jedoch im Zeitverlauf kontinuierlich an.

Die erste jährliche Rentenzahlung beträgt rund 590 Euro, im zweiten Jahr etwa 595,88 Euro. Nach zehn Jahren erreicht die Rente 651,71 Euro und übersteigt damit die klassische Variante. In der Abbildung wird dieser Verlauf durch die rote Linie dargestellt.

Einmal auszahlen lassen, konstant beziehen oder dynamisch anpassen – die Möglichkeiten in der Rentenphase sind vielfältig, aber oft schwer zu bewerten.
© Fraunhofer ITWM
Einmal auszahlen lassen, konstant beziehen oder dynamisch anpassen – die Möglichkeiten in der Rentenphase sind vielfältig, aber oft schwer zu bewerten.

Inflationsgebundene Rentenauszahlung

Die inflationsgebundene Rente stellt eine spezielle Form der dynamischen Rente dar: Hier wird die Rentenhöhe direkt an einen Preisindex gekoppelt, sodass die Auszahlungen parallel zu den Lebenshaltungskosten steigen. Dieses Modell bietet einen gezielten Schutz vor Kaufkraftverlust und kann insbesondere in Zeiten höherer Inflation vorteilhaft sein.

Beispielszenario:  Kaufkrafterhalt durch inflationsabhängige Anpassung

In Europa wird langfristig eine Inflationsrate von etwa 2 Prozent angestrebt, die wir auch diesem Modell zugrunde legen. Für Marie ergibt sich daraus eine anfängliche jährliche Rentenzahlung von 535 Euro. Damit liegt sie zunächst um 55 Euro unter der dynamischen Variante. Nach zehn Jahren steigt die Rente jedoch auf rund 652 Euro und erreicht damit ein vergleichbares Niveau. Aufgrund der höheren Dynamik wächst sie im weiteren Verlauf deutlich schneller. In der Abbildung entspricht dies der grünen Linie.

Zweiphasige Rentenauszahlung

Die zweiphasige Rentenauszahlung trägt individuellen Lebensbedürfnissen stärker Rechnung als klassische oder rein dynamische Modelle. Sie unterteilt die Rentenphase in zwei Abschnitte: eine Phase mit höherer und eine mit niedrigerer Rentenzahlung.

Beispielszenario: Höhere Rente zu Beginn, geringere im späteren Verlauf

Marie plant, in den Jahren ihres Ruhestands verstärkt zu reisen und wünscht sich daher für diesen Zeitraum höhere Auszahlungen. Konkret entscheidet sie sich für eine Rente von 700 Euro jährlich in den ersten 15 Jahren. Im Gegenzug akzeptiert sie eine geringere Rentenzahlung im Anschluss.

Die Wünschdirwas Lebensversicherung AG bietet ihr hierfür ein zweiphasiges Modell an: In den ersten 15 Jahren erhält Marie die gewünschten 700 Euro pro Jahr, danach reduziert sich die Rente auf 430 Euro jährlich. In der Abbildung wird dieser Verlauf durch die orangefarbene Linie dargestellt.

Mehr Wahlfreiheit erfordert Orientierung

Alle dargestellten Auszahlungsformen haben ihre Berechtigung. Für Versicherte stellt sich jedoch die zentrale Frage, welche Variante am besten zur eigenen Lebenssituation und zu den individuellen Bedürfnissen passt. Diese Entscheidungsmöglichkeiten sind bislang häufig durch die am Markt verfügbaren Produkte begrenzt.

Die Ende März 2026 beschlossene Reform der steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge soll hier ansetzen und mehr Flexibilität in der Auszahlungsphase schaffen: Künftig können Versicherte neben einer lebenslangen Rente auch zeitlich begrenzte Renten wählen.

Mit den erweiterten Wahlmöglichkeiten steigt zugleich der Bedarf an fundierter Beratung und geeigneten Bewertungsansätzen im Sinne des Verbraucherschutzes. Hier unterstützen wir bei der Entwicklung entsprechender Konzepte. Kontaktieren Sie uns gerne!