Herbstschule der Felix-Klein-Akademie 2025

Einmal im Jahr findet an unserem Institut die einwöchige Herbstschule für Stipendiatinnen und Stipendiaten der Felix-Klein-Akademie statt. Dabei arbeiten die Studierenden in Gruppen zusammen mit uns an verschiedenen Projekten. Neben den Aufgaben aus der Arbeitspraxis des Instituts erwarten die Gruppen auch spannende Fachvorträge und ein buntes Freizeitprogramm. 

Die Gruppen setzen sich aus Mathe-Studentinnen und -Studenten in verschiedenen Fachsemestern der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU) zusammen. Ihre Aufgabe besteht darin, ein reales Problem in ein mathematisches zu übersetzen. Ihre Ergeb­nisse präsentieren sie am Ende der Woche im Plenum. In diesem Jahr nahmen insgesamt 12 Personen teil, die vorab zwischen zwei Projekten mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten wählen konnten:

Unsere Gruppen in der Herbstschule 2025

Teilnehmende der Herbstschule 2025
© Fraunhofer ITWM
Teilnehmende der Gruppe 1 während der Gruppenarbeit in der Herbstschule 2025 zum Thema »End-to-End Vision-based Autonomous Driving via Reinforcement Learning«.

Erste Gruppe »End-to-End Vision-based Autonomous Driving via Reinforcement Learning«

Betreuer: Filippo Palascino, Bereich »Mathematik für Fahrzeuge, Systeme und Anlagen«

In diesem Projekt entwickelt die Gruppe gemeinsam einen Reinforcement Learning-basierten Controller, der ein Fahrzeug möglichst zuverlässig eine vorgegebene Route abfahren lässt. Als Maßstab gilt ein publizierter Benchmark, den sie mit ihrem Ansatz in Präzision und Geschwindigkeit übertreffen möchten.

Ziel ist es, am Ende als Gruppe ein System zu konstruieren, das zeigt, welches Potenzial RL in diesem Kontext entfalten kann – und wo die Grenzen liegen.

Teilnehmende der FKZM Herbstschule 2025
© Fraunhofer ITWM
Teilnehmende der Gruppe 2 bei der Zusammenarbeit in der FKZM Herbstschule 2025 zum Thema »Optimale Robotersteuerung in der Lagerlogistik«.

Zweite Gruppe »Optimale Robotersteuerung in der Lagerlogistik«

Betreuer: Jannek Bukold, Bereich »Optimierung«

In diesem Projekt beschäftigen die Teilnehmenden sich mit der optimalen Steuerung eines Roboters in einem automatisierten Lagerhaus. Der Roboter soll eine vorgegebene Liste an Waren in einer bestimmten Reihenfolge zu einem Aufzug transportieren. Dabei kann es vorkommen, dass Zielwaren von anderen Waren blockiert sind oder Umwege erforderlich werden. 

Ziel ist es, gemeinsam Lösungsansätze zu erarbeiten, mit denen der Roboter die gestellten Aufgaben möglichst schnell und effizient erledigt.

Freizeitprogramm – zwischen Escape Room und Mobilitätskonzern

Für die Teilnehmenden geht es als nicht-mathematischen Ausgleich gruppenweise in einen Escape Room, wo sie gemeinsam spannende Rätsel lösen müssen. Zum Abschluss der Veranstaltung wird zudem eine Exkursion zur DB Fernverkehr AG in Frankfurt am Main angeboten. 

Mathematik erleben: Junge Talente im Porträt

In diesem Jahr stellen wir Euch zwei junge Talente vor, die den Weg über den »Früheinstieg ins Mathematikstudium« (FiMS) an der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU) zu uns gefunden haben und nun als Felix-Klein-Stipendiat:innen studieren: Michael Troe und Laura Engels. Beide berichten im Gespräch von ihren Erfahrungen, Eindrücken und ihrer Begeisterung für die Mathematik.

 

Michael Troe im Interview mit Esther Packullat
© Fraunhofer ITWM
Michael Troe im Interview mit Esther Packullat.

Michael Troe: Mit 16 schon Mathematikstudent

Mit gerade Mal 16 Jahren ist Michael Troe ein außergewöhnlich junger Mathematikstudent – und seit Kurzem Felix-Klein-Stipendiat. »Ich hatte das große Glück, seit Beginn meiner Schulzeit von wunderbaren Mathematiklehrkräften unterstützt zu werden«, erzählt Michael. So konnte er den Schulstoff der höheren Jahrgänge schon frühzeitig abschließen. Mit FiMS fand er »die perfekte Chance, sich neben der Schulzeit intensiv mit Mathematik zu beschäftigen«. Nach dem erfolgreichen Abschluss des Frühstudiums beginnt er jetzt im Oktober sein reguläres Studium an der RPTU. »Nach mehreren Semestern dieses Doppellebens im Fernstudium erwarte ich jetzt schon ungeduldig das Präsenzstudium. Von meinen Dozierenden der RPTU habe ich von der Option, mich um ein Felix-Klein-Stipendium zu bewerben gehört. Ich freue mich sehr über die vielen Möglichkeiten, die mir dieses Stipendium jetzt eröffnet.«

Gemeinschaft im »Haus der Mathematik«

Vorher kannte er Kaiserslautern nur vom Fußball, inzwischen fühlt er sich in der Stadt richtig wohl. Dabei ist er eigentlich weit weg von Zuhause – aus Hemmingen bei Hannover sind es rund 460 Kilometer bis nach Kaiserslautern. Seit dem frühen Sommer wohnt er im »Haus der Mathematik«: »Auch wenn man bestimmt einen Großteil der Zeit an der Uni verbringt, so bieten sich durch das Haus doch weitere Möglichkeiten zum Austausch mit gleichgesinnten Mathestudierenden. Ich empfinde es als Ehre, in dieser besonderen Hausgemeinschaft zu leben. Einer meiner Mitbewohner ist sogar diese Woche bei der Herbstschule dabei.« 

Michael ist Teil der Projektgruppe »Optimale Robotersteuerung in der Lagerlogistik«, die von Projektleiter Jannek Bukold betreut wird. Besonders spannend findet er »die Unbekanntheit einer solchen einfachen Fragestellung« – nämlich, wie man effiziente Strategien zum Be- und Entladen in automatisierten Lagerhäusern entwickelt. Sein Fazit fällt sehr positiv aus: »Die Zusammenarbeit mit den anderen ist in eine anregende Erfahrung. Die ganze Woche ist ein echtes Highlight!«

Mentoring und neue Perspektiven

Als Stipendiat wird Michael von seinem Mentor Falco Schneider begleitet, den er bald persönlich kennenlernen wird. Auf die gemeinsame Zusammenarbeit freut er sich: »Er kann mich sicher mit seiner Erfahrung bei der ein oder anderen Entscheidung im Studium unterstützen.«

Mit Michael Troe lernt man den jüngsten Felix-Klein-Stipendiaten kennen. Doch er ist nicht der Einzige, der bereits früh seine Leidenschaft für Mathematik entdeckt hat: Auch Laura Engels gehört zu den Nachwuchstalenten, die den Weg über FiMS gefunden haben und nun mit einem Felix-Klein-Stipendium gefördert werden.

Laura Engels: Erste Schritte über FiMS und die Math Talent School

Die 18-Jährige stammt von der Wurster Nordseeküste und sie ist gar nicht das erste Mal eine ganze Mathe-Woche bei uns am Fraunhofer ITWM. Die »Math Talent School« im Juni 2024 konnte sie überzeugen: »Die Talent School hat tatsächlich dazu geführt, dass ich meine Studienentscheidung neu getroffen habe. Ich wollte eigentlich Wirtschaftsinformatik studieren, aber nach der damaligen praktischen Woche war für mich klar, dass es doch Mathematik wird.« Da hat sie das erste Mal vom Früheinstieg ins Mathematikstudium an der RPTU gehört und sich direkt eingeschrieben: »Ich wollte schauen, ob das Studium tatsächlich etwas für mich ist«.

Mehr als ein Jahr später studiert sie ab Oktober Mathematik an der RPTU und wird als Felix-Klein-Stipendiatin von ihrem Mentor Tobias Seidel begleitet. »Wir haben uns schon kennengelernt und er hat uns auch gestern mit auf den Ausflug zur Deutschen Bahn begleitet. Tobias ist definitiv ein ehrgeiziges Vorbild für mich.«

Math Talent School 2024 – Special Edition Girls-Camp
© Fraunhofer ITWM
Laura Engels bei der »Math Talent School« im Juni 2024.

Die Teamarbeit steht diese Woche für sie im Vordergrund: »Ein echtes Highlight bei solchen Projektwochen ist für mich immer der Start in den Gruppen. Am Anfang sprudeln alle vor Ideen und es ist noch ganz offen, wie überhaupt an das Problem herangegangen wird. Man lernt neue Konzepte, die man nicht Mal unbedingt anwendet, aber erfährt so viel.« In der Felix-Klein-Herbstschule arbeitet Laura in der Projektgruppe »Optimale Robotersteuerung in der Lagerlogistik«, die Gruppen bestehen dabei aus ganz gemischten Teams. »Ich stelle natürlich noch viele Fragen, weil ich zu den Jüngeren gehöre«, so Laura. »Aber generell begeistert mich Angewandte Mathematik, weil ich gerne Rätsel löse. Das ist nicht einfach rechnen wie meist in der Schule, sondern das Spiel mit der Logik«.

Laura Engels im Interview mit Esther Packullat
© Fraunhofer ITWM
Laura Engels im Interview mit Esther Packullat.

Vom Meer zur Mathematik – Zwischen Nordsee und Pfälzerwald

Auch wenn sie aus einer ganz anderen Landschaft kommt, fühlt sie sich jetzt schon zwischen den Hügeln und Wäldern der Pfalz sehr wohl. »Die Stadt und die Menschen sind viel heterogener als bei uns und es ist sehr international hier. Die Landschaft mag ich sehr – bergiger und definitiv mit mehr Wald.« Für ihren weiteren Weg nimmt sie jetzt schon wichtige Eindrücke mit: »Im Moment bin ich mir sehr sicher, dass ich nach dem Studium in die Forschung gehen will.«