Math-Talent-School-Rückblick: Mathematikerin werden – ja oder nein?

Felix-Klein-Zentrum für Mathematik organisiert MINT-EC-Girls-Camp 2026

Was genau steckt hinter dem Beruf der Mathematikerin und was bedeutet Angewandte Mathematik eigentlich? Das haben 18 interessierte Schülerinnen von MINT-EC-Schulen vom 08. bis zum 12. Juni 2026 an unserem Institut erfahren. Unsere Math-Talent-School wurde vom Felix-Klein-Zentrum für Mathematik organisiert.

An fünf abwechslungsreichen Workshoptagen haben Jugendliche der zehnten, elften und zwölften Klasse an unterschiedlichen Fragestellungen gearbeitet. Dabei lernten die Teilnehmerinnen, wie sie mithilfe mathematischer Modellierungen, Optimierungen und Computersimulationen an die Problemstellungen herangehen. Vor dem Beginn der Projektarbeit konnten sich die Schülerinnen ein Projekt ihrer Wahl aussuchen. Zur Auswahl standen: 

  1. Zufall, Risiko und Versicherungen
  2. Wer überlebte den Untergang der Titanic?
  3. Wer bekommt welches Projekt? Lineare Optimierung in Theorie und Praxis

Die Arbeitsergebnisse wurden im Team aufgearbeitet und am Ende der Math-Talent-School präsentiert sowie gemeinsam diskutiert. Darüber hinaus bekamen die Teilnehmerinnen verschiedene Eindrücke aus unserem Institut und dem Fachbereich »Mathematik« der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU) geboten – und natürlich umfassende Informationen über Studium der Mathematik. 

Auf dieser Seite sammeln wir Impressionen zur MINT-EC-Girls-Camp: Math-Talent-School 2026.

Projekt-Gruppen

Die drei Themen des Projekts sind sowohl vielfältig als auch spannend – und sie sind alle eng mit Forschungsschwerpunkten der Angewandten Mathematik verbunden!

Zufall, Risiko und Versicherungen

Math-Talent-School Gruppe »Zufall, Risiko und Versicherungen«
© Fraunhofer ITWM
Math-Talent-School Gruppe »Zufall, Risiko und Versicherungen«

Warum kann ein Zufallsspiel wie Roulette niemals eine sichere Gewinnstrategie haben? Und wie schaffen es Versicherungen trotzdem, Risiken so zu berechnen, dass ein stabiles System entsteht, das im Ernstfall hohe Schäden abfangen kann?

In diesem Projekt wurde genau diesen Fragen nachgegangen. Die Teilnehmerinnen erhielten dabei einen Einblick, wie Mathematik genutzt wird, um Unsicherheiten zu beschreiben und finanzielle Risiken einzuschätzen.

Zunächst lernten die Schülerinnen grundlegende Konzepte der Wahrscheinlichkeitsrechnung und Statistik kennen und erfuhren, wie sich Zufall mathematisch beschreiben und modellieren lässt. Anschließend wurde der Bezug zu Versicherungen hergestellt: Sie untersuchen, warum solche Systeme funktionieren und welche unterschiedlichen Versicherungsarten es gibt.

Die Gruppe betreuten Prof. Dr. Jörn Sass, Dr. Christian Laudagé, Jascha Alexander, Philip Biegel, Lukas Eichhorn und Tim Prokosch der AG Finanzmathematik, Fachbereich Mathematik, RPTU Kaiserslautern-Landau.

Wer überlebte den Untergang der Titanic?

Math Talent School Gruppe »Wer überlebte den Untergang der Titanic?«.
© Fraunhofer ITWM
Math-Talent-School Gruppe »Wer überlebte den Untergang der Titanic?«.

Am 14. April 1912 kollidierte die Titanic, damals das größte und modernste Passagierschiff ihrer Zeit, auf ihrer Jungfernfahrt mit einem Eisberg und sank. Von den über 2.200 Menschen an Bord überlebten nur rund 700 – ein Ereignis, das bis heute zu den bekanntesten Schiffskatastrophen zählt und zugleich technische wie gesellschaftliche Fragen aufwirft.

In diesem Projekt nutzten die Teilnehmerinnen den Titanic-Datensatz, um datenbasiert zu untersuchen, welche Faktoren die Überlebenschancen beeinflusst haben könnten. Dabei gingen sie unter anderem der Frage nach, ob Alter, Geschlecht oder soziale Stellung eine Rolle gespielt haben und wie sich diese Zusammenhänge in den Daten wiederfinden lassen.

Dazu wurden die Daten zunächst aufbereitet und anschließend mit verschiedenen statistischen und modellbasierten Verfahren analysiert. Ziel war es, typische Arbeitsschritte der Datenanalyse kennenzulernen und zu verstehen, wie aus Daten strukturierte Aussagen gewonnen werden können.

Die Gruppe betreute Julia Burr aus dem Bereich Mathematik für die Fahrzeugentwicklung, Systeme und Anlagen, Fraunhofer ITWM.

Lineare Optimierung in Theorie und Praxis

Math Talent School Gruppe »Lineare Optimierung in Theorie und Praxis«.
© Fraunhofer ITWM
Math-Talent-School Gruppe »Lineare Optimierung in Theorie und Praxis«.

Lineare Optimierung zählt zu den wichtigsten Methoden der angewandten Mathematik. Sie kommt überall dort zum Einsatz, wo unter begrenzten Ressourcen die bestmögliche Entscheidung getroffen werden muss – etwa in der Produktionsplanung, in Lieferketten oder in medizinischen Anwendungen.

Im Workshop lernten die Teilnehmerinnen die Grundlagen der linearen Optimierung kennen. Sie untersuchten, wie sich Entscheidungsprobleme mathematisch beschreiben lassen und wie aus vielen möglichen Lösungen die optimale bestimmt werden kann. Dabei wurde der Simplex-Algorithmus als eines der wichtigsten Lösungsverfahren vorgestellt.

Im zweiten Teil stand die mathematische Modellierung im Mittelpunkt. Die Teilnehmerinnen lernten, reale Fragestellungen systematisch in mathematische Modelle zu übersetzen, beispielsweise bei der Verteilung von Schülerinnen und Schülern auf Projekte. 

Die Gruppe betreuten Dr. Lena Leiß und Fabian von der Warth der KOMMS und AG Optimierung, Fachbereich Mathematik, RPTU Kaiserslautern-Landau.

Einblicke in das MINT-EC-Girls-Camp 2026

An der MINT-EC-Math-Talent-School nehmen Schülerinnen aus ganz Deutschland sowie einige Teilnehmerinnen aus anderen Ländern teil. Was sie verbindet, ist ihre Leidenschaft für Mathematik, Physik und Informatik. In den folgenden Porträts stellen wir Euch Nachwuchstalente aus jedem Team vor. Spannend: Alle Teilnehmerinnen betonten, dass insbesondere der Fokus des Mathe-Camps auf weibliche Forschende ihre Entscheidung für eine Bewerbung maßgeblich beeinflusst habe. Dass in Forschungsinstituten sichtbar Wert darauf gelegt wird, Frauen auf ihrem Karriereweg gezielt zu unterstützen, wird von ihnen als sehr positiv wahrgenommen – insbesondere vor dem Hintergrund, dass Frauen in Wissenschaft und MINT-Fächern nach wie vor unterrepräsentiert sind. 

Unsere studentische Kollegin Julia Masanko hat sie interviewt:

Teilnehmerinnen Malena Darleen Hott (links) und Asmi Dutta Chowdhury (rechts) des Projekts »Zufall, Risiko und Versicherungen« im Interview.
© Fraunhofer ITWM
Teilnehmerinnen Malena Darleen Hott (links) und Asmi Dutta Chowdhury (rechts) des Projekts »Zufall, Risiko und Versicherungen« im Interview.

Malena und Asmi: Mathematik zwischen Alltag, Anwendung und neuen Perspektiven

Malena und Asmi kommen beide aus Hessen und teilen die große Begeisterung für Mathematik. Malena geht auf die Goethe-Schule in Wetzlar, Asmi auf das Gymnasium Riedberg in Frankfurt. Auf die Math-Talent-School wurden beide über die MINT-Verantwortlichen ihrer Schulen aufmerksam, die regelmäßig über Wettbewerbe, Camps und Fördermöglichkeiten informieren.

An Mathematik fasziniert die beiden besonders die Art des Denkens, die das Fach erfordert. »Man muss nicht alles auswendig lernen, sondern Konzepte und Systeme verstehen«, erklärt Asmi. Malena schätzt vor allem die Vielseitigkeit der Mathematik: »Und ich finde es total toll, dass es so eine große Bandbreite an Einsatzbereichen gibt.« Beide sind sich einig, dass Mathematik weit mehr als ein Schulfach ist und in vielen Bereichen des Alltags und der Wissenschaft eine wichtige Rolle spielt.

Besonders gut gefallen hat den beiden ihr Gruppenprojekt »Zufall, Risiko und Versicherungen«. Dort beschäftigten sie sich mit Wahrscheinlichkeiten, Risikobewertungen und der Berechnung von Versicherungsprämien. Ein Highlight war ein interaktives Planspiel, bei dem die Teilnehmerinnen selbst in die Rolle von Versicherungsunternehmen schlüpften und auf Basis realer Daten eigene Angebote entwickelten. „Das fand ich sehr cool“, berichtet Asmi. Die Verbindung von mathematischer Theorie und praktischer Anwendung habe ihr gezeigt, wie vielseitig Mathematik in der Realität eingesetzt werden kann.

Für die Zukunft haben beide bereits klare Interessen entwickelt: Während Asmi sich vorstellen kann, Mathematik zu studieren und später in Forschung und Lehre tätig zu sein, interessieren Malena vor allem Bereiche wie Informatik, IT-Sicherheit und Architektur. Die Math-Talent-School hat beiden wertvolle Einblicke in mögliche berufliche Wege gegeben und ihre Begeisterung für mathematische Fragestellungen weiter gestärkt.

Ricarda und Lucille: Mathematik über den Unterricht hinaus erleben und verstehen

Ricarda und Lucille besuchen die Oberstufe ihrer Schulen und wurden auf die Math-Talent-School über unterschiedliche Wege aufmerksam. Das Camp wurde ihnen sowohl von schulischen MINT-Verantwortlichen als auch von Teilnehmerinnen früherer Jahrgänge empfohlen. Besonders interessant wurde die Teilnahme für beide, weil sie mehr darüber erfahren wollten, wie Mathematik außerhalb der Schule eingesetzt wird. Lucille erklärt: »Ich wusste irgendwann nicht mehr so genau, was Mathematik im Berufsleben eigentlich bedeutet. In der Schule kennt man Mathe vor allem als Unterrichtsfach oder vielleicht noch als Mathelehrerin – aber nicht, wie Menschen damit tatsächlich arbeiten und Geld verdienen.« Genau dieser Einblick in mögliche Praxisfelder war für sie ein wichtiger Beweggrund.

Für beide steht vor allem das logische Denken im Mittelpunkt. Ricarda beschreibt Mathematik als Fach, in dem es meist eine klare Lösung gibt und verschiedene Wege dorthin führen. Lucille betont besonders den Reiz des Durchhaltens bei schwierigen Aufgaben: »Man rechnet lange, aber am Ende kommt eine konkrete Lösung heraus.« Auch das Knobeln spielt für beide eine wichtige Rolle im Interesse an Mathematik.

Ein besonderer Programmpunkt für die beiden war ihr Projekt zum Thema  »Wer überlebte den Untergang der Titanic?«. Dabei analysierten sie historische Daten und untersuchten mithilfe mathematischer Methoden Einflussfaktoren auf Überlebenschancen. Die selbstständige Arbeitsweise und das Entwickeln eigener Lösungsansätze empfanden beide als besonders spannend. »Dass wir selbst entscheiden konnten, wie wir vorgehen, war richtig gut«, erzählt Ricarda.

Die Teilnahme an der Math-Talent-School hat beiden neue Perspektiven eröffnet. Während Lucille sich vorstellen kann, Mathematik mit einer Naturwissenschaft im Lehramtsstudium zu kombinieren, nutzt Ricarda die Erfahrungen vor allem zur Orientierung für ihre spätere Studien- und Berufswahl. Besonders schätzen beide, dass sie Mathematik hier einmal außerhalb des klassischen Schulunterrichts erleben konnten.

Teilnehmerinnen Ricarda Schlüter (links) und Lucille Juris (rechts) des Projekts »Wer überlebte den Untergang der Titanic?« im Interview.
© Fraunhofer ITWM
Teilnehmerinnen Ricarda Schlüter (links) und Lucille Juris (rechts) des Projekts »Wer überlebte den Untergang der Titanic?« im Interview.
Teilnehmerin Anna Mandru des Projekts »Lineare Optimierung in Theorie und Praxis« im Interview.
© Fraunhofer ITWM
Teilnehmerin Anna Mandru des Projekts »Lineare Optimierung in Theorie und Praxis« im Interview.

Anna: Lineare Optimierung und die kreative Seite der Mathematik

Anna kommt aus Gießen und besucht die 11. Klasse des Landgraf-Ludwigs-Gymnasium. Auf die Math-Talent-School wurde sie über ihre Schule aufmerksam, nachdem sie dort Informationen zum MINT-EC-Netzwerk und zu verschiedenen mathematischen Angeboten erhalten hatte. Besonders angesprochen hat sie dabei unser Camp zur angewandten Mathematik, dass sich spezifisch an Nachwuchsforscherinnen richtet

An der Mathematik fasziniert Anna vor allem die Verbindung von Struktur und Abstraktion. Sie beschreibt, dass komplexe Zusammenhänge in der Mathematik oft auf einfache und verständliche Weise dargestellt werden können. »Mathematik wirkt in der Schule sehr strukturiert, aber wenn man tiefer einsteigt, merkt man, wie abstrakt und kreativ das Fach eigentlich ist«, erklärt sie. Gerade diese Kombination empfindet sie als besonders spannend, da sie früher dachte, Struktur und Kreativität würden eher im Widerspruch zueinander stehen.

Im Camp entschied sich Anna für das Projekt im Bereich der linearen Optimierung. Dabei spielen sowohl Informatik als auch algebraische Methoden eine wichtige Rolle – insbesondere Matrizenrechnung interessiert sie sehr. Besonders gefallen hat ihr die gemeinsame Erarbeitung der theoretischen Grundlagen im Plenum, bei der Inhalte zusammen besprochen und Aufgaben in der Gruppe gelöst wurden. Die Verbindung aus dieser theoretischen Phase und der praktischen Umsetzung empfand sie insgesamt als sehr gelungen.

Die Math-Talent-School nutzte sie vor allem, um einen besseren Einblick in mögliche berufliche Anwendungen zu bekommen. Besonders die Vielfalt der angewandten Mathematik hat sie überrascht, da ihr zuvor viele dieser Bereiche nicht bekannt waren. Für ihre Zukunft kann sich Anna sowohl eine wissenschaftliche Laufbahn als auch eine Tätigkeit in der Unternehmensberatung vorstellen. 

Insgesamt hat das Camp ihren Eindruck von Mathematik noch einmal verstärkt. Sie beschreibt das Fach als vielseitig, abstrakt und gleichzeitig kreativ – und empfindet genau diese Mischung als besonders reizvoll.

Impressionen des MINT-EC Girls Camp 2026

Teilnehmerinnen während einer Gruppenarbeit im Gespräch mit ihren Betreuern.
© Fraunhofer ITWM
Teilnehmerinnen während einer Gruppenarbeit im Gespräch mit ihren Betreuern.
Teilnehmerinnen bei der Diskussion ihrer Ergebnisse.
© Fraunhofer ITWM
Teilnehmerinnen bei der Diskussion ihrer Ergebnisse.
Teilnehmerinnen beim gemeinsamen Grübeln über eine Aufgabe.
© Fraunhofer ITWM
Teilnehmerinnen beim gemeinsamen Grübeln über eine Aufgabe.