Viertes deutsches Fraunhofer-Zentrum entsteht in Kaiserslautern

Presseinformation / 30.4.2004

Dokumente, die Zeugnis geben von einer außergewöhnlichen Erfolgsgeschichte zweier Forschungsinstitute aus Informatik und Mathematik, wurden bei der Grundsteinlegung für das neue Fraunhofer-Forschungszentrum in Kaiserslautern hinterlegt. Ab Mitte 2005 sollen an der Trippstadter Straße die zwei rheinland-pfälzischen Fraunhofer-Institute IESE (Institut für Experimentelles Software Engineering) und ITWM (Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik) einziehen.

Grundsteinlegung für das neue Fraunhofer-Forschungszentrum in Kaiserslautern
© Foto ITWM

Grundsteinlegung für das neue Fraunhofer-Forschungszentrum in Kaiserslautern.

Die vom ehemaligen Leiter des Fraunhofer ITWM, Prof. Helmut Neunzert, moderierte Veranstaltung vereinte eine große Zahl von Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Forschung, die in den vergangenen Jahren engagiert und entschlossen die Idee verfolgt hatten, in Ergänzung zur Technischen Universität und zur Förderung des Standortes Kaiserslautern ein Kompetenzzentrum mit wissenschaftlicher Schrittmacherfunktion zu schaffen. Das Zentrum entsteht in unmittelbarer Nachbarschaft und in enger Kooperation mit der Technischen Universität Kaiserslautern.

Dr. Alfred Gossner, Vorstandsmitglied der Fraunhofer-Gesellschaft, sprach in seiner Begrüßung der Festgäste von einem forschungspolitischen Glücksfall, als er die Entwicklung der beiden Kaiserslauterer Fraunhofer-Institute Revue passieren ließ. Obwohl recht bald nach deren Gründung die gesamtwirtschaftlichen Bedingungen sich verschlechtert hätten, sei es den Instituten gelungen, ihre gesetzten Ziele zu erreichen und durch internationale Kooperationen mit namhaften Industriefirmen neue Entwicklungen anzustoßen und beachtliche Erfolge sowohl in wissenschaftlicher als auch in wirtschaftlicher Hinsicht zu erringen.

Kaiserslautern als gefragte Adresse für nationale und internationale Unternehmen

Ministerpräsident Kurt Beck erinnerte in seiner Ansprache an die Phase Mitte der 90er Jahre, als die Landesregierung und die Fraunhofer-Gesellschaft sich darauf einigten, Keimzellen für potenzielle Fraunhofer-Institute in Rheinland-Pfalz zu identifizieren. Ohne die deutliche Anschubfinanzierung seitens des Landes hätte der Plan wohl nicht verwirklicht werden können, so Beck. Aber diese Investition in die Informations- und Kommunikationstechnologie und die Angewandte Mathematik habe neben dem wissenschaftlichen und technischen Know-how Kaiserslautern auch zusätzliche Vorteile gebracht. Neue Arbeitsplätze seien entstanden, Kaiserslautern habe sich zu einer gefragten Adresse für nationale und internationale Unternehmen entwickelt.

Auf die Bedeutung der beiden Fraunhofer-Institute IESE und ITWM im Zusammenhang mit der von der Bundesregierung initiierten Innovationsoffensive wies Dr. Wolf-Dieter Dudenhausen, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hin. Beide Institute, die ja der IuK-Gruppe der FhG angehören, seien hierbei heute schon gut aufgestellt. Mit dem Thema Informationstechnologie werde ein Thema aufgegriffen, welches für die Forschungsarbeiten beider Institute wichtig sei. Dies leiste einen wichtigen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit Deutschlands und zur nachhaltigen Zukunftssicherung von Arbeitsplätzen, so Dr. Dudenhausen.

Erwartungen an die Vorreiterrolle des Forschungszentrums

Die großen Erwartungen an die Vorreiterrolle des Forschungszentrums hob Bürgermeister Dr. Arne Oeckinghaus hervor. Die Stadt habe Ende 1999 mit dem Kauf des Geländes, auf dem der ehemalige Rangierbahnhof lag, eine entwicklungspolitisch kluge Entscheidung getroffen. Die Gründung des PRE-Uni-Parks an dieser Stelle, in dessen Mitte das Fraunhofer-Zentrum entsteht, werde den bereits eingeschlagenen Weg des Strukturwandels fortsetzen und die Region technologisch und wirtschaftlich voran bringen.

Mit Dankesworten wandten sich die beiden Institutsleiter, Prof. Dieter Rombach (IESE) und Prof. Dieter Prätzel-Wolters (ITWM), an Freunde und Förderer. Der Stolz auf Erreichtes und der Ausblick auf neue Potenziale, die das Fraunhofer-Zentrum bieten wird, bestimmten die Ansprachen der beiden Fraunhofer-Direktoren.
Rombach betonte, dass mit den großzügigen neuen Räumlichkeiten sich die Chancen verbessern würden, Unternehmen unterschiedlichster Größe für anwendungsorientierte Forschungskooperationen zu gewinnen. Research Labs werden entstehen, aus denen neue Ideen und Entwicklungen zutage träten.

Dank an Landesregierung

Prätzel-Wolters hob hervor, dass die Nähe zum Universitätscampus wesentlich dazu beitragen werde, die Verzahnung der Fraunhofer-Institute mit der Technischen Universität in Forschung und Lehre lebendig zu gestalten. Für viele Mathematik- und Informatikstudenten werde das Fraunhofer-Zentrum eine ideale Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis bilden. Besonderer Dank gelte der Landesregierung, die durch die schnelle und unbürokratische Bereitstellung von Landes- wie von EFRE-Mitteln die planmäßige Realisierung des Forschungszentrums erst ermöglicht habe.

Prof. Horst Ermel, der mit seinem Architektenbüro ASPLAN die Planung und Erstellung des Bauprojektes leitet, ist zuversichtlich, dass der anvisierte Einzugstermin im zweiten Halbjahr 2005 eingehalten werden kann. Das mit 47 Millionen Euro veranschlagte Vorhaben verlaufe plangemäß davon könnten sich alle Gäste überzeugen. Das Untergeschoss des Zentralbereiches stehe bereits, das Erdgeschoss sei zu 80% erstellt. Die Rohbauarbeiten für das IESE seien begonnen und der Erdaushub für das ITWM fertig gestellt. Die Steuerung des Gesamtprojektes nimmt die Bauabteilung der Fraunhofer-Gesellschaft wahr.

Unter dem Beifall der etwa 120 Gäste wurde dann der Grundstein, gefüllt mit den Jahresberichten beider Institute und digitalen Datenträgern, in das Fundament eingebettet. Die Feierlichkeiten klangen aus mit einem kleinen Imbiss begleitet von den Klängen der Combo-Band der Fachhochschule Kaiserslautern.

Zahlen und Fakten zum Neubau Fraunhofer-Zentrum

Gründung Fraunhofer IESE: 1. Januar 1996MitarbeiterInnen: 142 (Stand: 2003) Ausbau auf 246 MitarbeiterInnen angestrebtGründung Fraunhofer ITWM: 09.11.1995 als Landesinstitut, ab 01.01.2001 Fraunhofer-InstitutMitarbeiterInnen: 215 (Stand: 2003) Ausbau auf 301 MitarbeiterInnen angestrebtGrundrissfläche für das Institutszentrum: 19 100 qmGrundstückfläche insgesamt: 29 000 qmFertigstellung des Institutszentrums: voraussichtlich Ende 2005Finanzvolumen insgesamt: 47,4 Mio. Euro nettoFörderung: 15 Mio. Euro (Europäischer Fonds für Regionalentwicklung EFRE), Rest je zur Hälfte getragen vom Bund und dem Land Rheinland-Pfalz