Blick über den Tellerrand

Wo bestellt man geistige Freiheit? – Prof. Moldaschl über Innovationsfähigkeit und deren Hindernisse

Presseinformation / 13.12.2017

Beim letzten »Blick über den Tellerrand« des Jahres referierte Prof. Dr. Dr. Manfred F. Moldaschl zur rhetorischen Frage »Wo bestellt man geistige Freiheit?«. Der Inhaber des Audi-Stiftungslehrstuhls für unternehmerisches Handeln, globale Verantwortung und Nachhaltigkeit nimmt sich direkt zu Beginn die Freiheit und bekennt sich selbst zu »keiner akademischen Disziplin«. Er verfolgt laut eigenen Worten vielmehr das Prinzip der »Eisernen Disziplinlosigkeit«. Denn das Prinzip der Disziplinen begrenzt geistige Freiheit und damit auch Innovationsfähigkeit.

Wo bestellt man geistige Freiheit?
© Foto ITWM

Wo bestellt man geistige Freiheit? – Prof. Dr. Dr. Manfred F. Moldaschl über Innovationsfähigkeit.

Moldaschl beim Tellerrand
© Foto ITWM

Prof. Dr. Karl-Heinz Küfer und Prof. Dr. Dr. Manfred F. Moldaschl in der Diskussion mit dem Publikum.

Genau um solche Hindernisse und deren Überwindung geht es in seinem Vortrag. Weitere Hemmnisse sind Aspekte wie Erziehung, Glaube, Tradition, Paradigmen oder vorgefertigte Theorien. Dabei plädiert Moldaschl für den »Blick über den Tellerrand« in jeglicher Form und prangert das Silodenken in Wissenschaft und Unternehmen an, das er in anschaulichen Beispielen beschreibt.

So entwickelt in einer seiner Fallstudien beispielsweise ein Ingenieur ein Fertigungssystem auf Basis von bestimmten Grundüberzeugungen. Der Entwickler hält dabei stur an seinem Leitbild fest, auch wenn die Wirklichkeit noch so dagegenspricht. Der Mensch gilt als Fehlerquelle in seinem Modell. Solche theoretischen Modelle sind immer nur Abstraktion, die oft die Realität ausblenden. Es wird nach dem Motto »Das Modell ist gut, die Realität ist falsch« konzipiert. So kann die Entwicklung keinen Fortschritt bringen.

 

Zweifel als Prinzip des Denkens – Was behindert Innovation?

Moldaschl spricht sich daher für mehr Reflexivität aus. Zunächst sollten alle Basisannahmen grundsätzlich infrage gestellt werden. Ganz im Sinne der griechischen Skeptiker sollte der »Zweifel als Prinzip des Denkens« mehr im Fokus stehen – denn »Wir können nichts wirklich sicher wissen«. Teil seiner Forschung in Bezug auf das Innovationsschaffen in Unternehmen ist daher auch das Aufdecken von solchen (Lern-)Blockaden.

In Anlehnung an die Philosophie der alten Griechen und besonders Aristoteles entwickelt er statt einer Epistemologie (Erkenntnistheorie) eine Depistemologie. Er stellt eine Nicht-Erkenntnis-Theorie auf, in der »Erkenntnisverhütungsmittelkunde« betrieben werden soll. Diese stellt Fragen wie: Was schützt uns »vor dem Lernen« und blockiert Innovation? Was behindert die geistige Freiheit? Wie können wir uns davor bewahren, in Gewissheiten einzurasten oder unsere Meinungen gar für Wissen zu halten?

 

Kurz zur Vortragsreihe »Blick über den Tellerrand«

Einmal im Monat öffnet das ITWM die Türen für alle Interessierten und lädt beim »Blick über den Tellerrand« dazu ein, gemeinsam den Horizont zu erweitern. Die interdisziplinäre Vortragsreihe des Felix-Klein-Zentrums für Mathematik präsentiert unterschiedliche Referenten mit verschiedensten Themen. Jeder ist herzlich eingeladen zuzuhören und mitzudiskutieren. Der Eintritt ist frei.

Mehr Infos zu den Veranstaltungen des Felix-Klein-Zentrums für Mathematik